„Shittests“ – wie gehe ich damit um?

Inwieweit ist das normal? Inwieweit ist das ungesundes, toxisches Verhalten?
Wie viel davon muss sein, wie viel darfst du akzeptieren – und wo, lieber Mann, darfst du auch eine harte Grenze ziehen?


Der Hintergrund

In der Community gibt’s gerade eine Diskussion. Wenn du hier schon eine Weile auf dem Kanal unterwegs bist, weißt du: Hier geht’s darum, wie du als bewusster Mann dir ein geiles Leben erschaffen kannst – um Bewusstwerdung, Heilung von inneren Themen und alten Verletzungen.

Und jetzt wird dort über zwei scheinbar gegensätzliche Positionen diskutiert. Ich wollte einfach mal meine Gedanken, meine Erfahrungen dazu teilen. Vielleicht kommt am Ende ja eine gute Synthese heraus.


Position 1 – David Deida

Die erste Position stammt von David Deida. Wer ihn kennt, weiß: Er hat schon vor Jahren das Buch Der Weg des wahren Mannes geschrieben und da einige geile Impulse gesetzt.

Ein Zitat, worum es da ging, lautet sinngemäß:
„Erwarte nicht, dass es leichter wird. Erwarte nicht, dass es in deiner Beziehung entspannter wird. Erwarte, dass die Frau immer wieder mit Shittests kommt, dich aus dem Gleichgewicht bringt – und wachse daran. Nutze das, um deine eigenen blinden Flecken aufzudecken und stärker zu werden. Werde so stark, dass dich dieses Drama gar nicht mehr bewegt – dass du da stehst wie eine Eiche im Sturm.“

Das war also Position Nr. 1.


Position 2 – Gopal Norbert Klein

Position Nr. 2 kam von Gopal Norbert Klein, dem Traumatherapeuten.
Er sagte sinngemäß – ich fasse es kurz zusammen:

„Liebe Frau, wenn du deinen Mann testest und verletzt, dann agierst du aus dem Überlebensmodus. Testen und verletzen ist keine Liebe. Und wenn ein reifer Mann da ist, hat er keinen Bock darauf – und wird gehen. Bring stattdessen in Kommunikation, was in dir ist, dann verlässt du die biologische Überlebensebene.“


Beide haben recht

Und meine Position ist eigentlich relativ einfach: Beide haben recht – auf ihre Art.
David Deida hat recht: Du brauchst diese innere Stärke. Du brauchst die Kraft, dich nicht bei jeder emotionalen Windböe gleich umblasen zu lassen.

Frauen sind von Natur aus zyklischer – emotionaler, wellenförmiger. Männer dagegen leben eher linear, auch wenn sie natürlich ebenfalls Zyklen haben, nur eben größere.

Diese Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn Drama kommt, Shittests, emotionale Stürme – das ist absolut wertvoll. Nicht bei jeder Gefühlsbewegung einzusteigen, ist essenziell, um Stabilität aufzubauen.

Aber – und das ist der Punkt, an dem Gopal ins Spiel kommt – nur weil Frauen emotional zyklischer sind, heißt das noch lange nicht, dass du als Mann alles über dich ergehen lassen musst.

Hier stimme ich Gopal voll zu: Testen ist keine Liebe.


Was daraus folgt

Der Kern ist, Dinge in Kommunikation zu bringen – Kontakt herzustellen auf Herzebene.
Das ist genau der Punkt, der meist verletzt oder verpanzert ist.

Bei Männern oft mehr als bei Frauen, weil Männer da verletzbarer sind – und weil das Bewusstsein dafür in der Gesellschaft fehlt.

Sobald du dich aus dem Überlebensmodus herausbewegst – also nicht mehr nur „Frau testet, Mann bleibt stabil“ spielst – sondern beide offenlegen, was in ihnen vorgeht, entsteht ein echter Kontakt.

Denn auf beiden Seiten sitzt Angst:

  • Bei Männern die Angst, ihre Stärke zu zeigen oder zu verlieren.

  • Bei Frauen die Angst, sich hinzugeben, Kontrolle abzugeben und sich führen zu lassen.


Wachstum durch Beziehung

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Partner – egal ob Mann oder Frau – zeigt dir deine eigenen Schwachstellen.

Natürlich kannst du dich über den anderen aufregen, sagen: „Er ist so doof, sie ist so schwierig!“
Aber die innere Arbeit beginnt, wenn du erkennst: Da ist etwas in mir, das aus dem Gleichgewicht kommt.

Dann kannst du das transformieren, die gebundene Energie freilegen. Das ist innere Alchemie.

Nur glaube ich, dass Deida (und viele andere) dabei etwas ausblenden: Wir leben heute in einer Gesellschaft, die stark bindungsgestört ist. So sehr, dass Unverbundenheit und Drama oft als „normal“ gelten.

Hier hat Gopal einen wichtigen Spiegel gesetzt – indem er auch Frauen Verantwortung gibt, nicht nur den Männern.


Gegenseitige Verantwortung

Denn die Verantwortung für eine funktionierende Beziehung tragen beide – jeweils zu 100 %.
Jeder hat seinen Anteil.

Offene, ehrliche Kommunikation – zu sagen, was in einem ist – ist essenziell.
Und Frauen, die das können, sind die, mit denen sich wirklich lohnt, tiefer zu gehen.

Meist fängt alles wunderschön an – die Anfangsphase, voller Faszination. Dann kommen Themen hoch. Man kann sie verdrängen oder gemeinsam anschauen und drüber hinauswachsen.

Erst dort beginnt echte Liebe: wenn man durch die Wunden hindurch gewachsen ist.


Wachstum auf zwei Ebenen

Hab trotzdem ein geiles Leben. Lebe deine Kraft und Stärke – das zieht Frauen magnetisch an.
Aber entwickle zugleich emotionale Kapazität: die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und auszudrücken.

Das braucht Mut und echte innere Stärke. Es braucht beides – Kraft im unteren Bereich und Offenheit im Herzbereich.

Erst dann ziehst du Frauen an, die zu dir passen – und duldest weniger Drama.
Emotionen dürfen sein, klar. Aber bewusste Manipulation, gezieltes Verunsichern – das wird automatisch weniger akzeptiert. Und das ist gut so.


Wachstum statt Drama

Lange Rede, kurzer Sinn: Beide Perspektiven haben absolut recht.
Deidas Haltung zu Wachstum und Stärke ist wertvoll – Herausforderungen wird es immer geben. Es geht darum, ob du sie annimmst.

Doch genauso wichtig ist, was Gopal betont: Die Fähigkeit zur Verbindung und die Heilung unserer bindungsgestörten Gesellschaft.

Wenn beide – Mann und Frau – Verantwortung übernehmen und sich öffnen, dann werden Shittests überflüssig. Dann entsteht ein anderer Raum: Bewusstsein, Entspannung, Einssein.

1 + 1 = 3 – weil die Energie zwischen euch mehr ist als die Summe der Teile.

Dafür braucht es Mut. Und Frauen mit Bewusstsein, die Unsicherheit nicht als Schwäche sehen, sondern als Einladung zur Tiefe.