Respekt, saubere Wäsche & Meckerei

was ich aus einem Kunstwerk einer Freundin gelernt habe & was hat es mit Respekt sowie alten unbewussten Bindungsmustern zu tun

Ich hatte einen Gedanken, der mir kam, als ich mit einer Freundin geschrieben habe. Wir hatten uns schon lange nicht mehr gesehen, kennen uns noch aus frühen Schulzeiten.

Sie hatte bei ihrem WhatsApp-Status ein Bild gepostet – eine Art Anleitung: Wie wird Wäsche richtig bearbeitet?
Das war interessant, weil eine gewisse Genialität drinsteckte: ein mehrstufiges Entscheidungsdiagramm.
„Ist diese Situation so?“, „Riecht es so?“, „Hat es diese Farbe?“ – und je nach Antwort: „Kommt das da rein“ … tam-tam-tam.

Ich dachte: „Okay, was ist denn da los?“ und schrieb ihr, dass ich es echt genial finde.
Daraufhin antwortete sie, dass sie frustriert sei, weil ihr Mann das nicht so macht, wie es ihrer Meinung nach richtig ist. Den genauen Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf, aber im Kern war es so.

Wir haben dann noch ein bisschen geschrieben – warum, weshalb, wieso.
Aber im Grunde geht es um Folgendes:
Sie war frustriert, weil er die Wäsche nicht so gemacht hat, wie sie es wollte.

Ohne jetzt die Details zu kennen oder mit ihm gesprochen zu haben – nur aus dem Gespräch mit ihr – hat mich das an etwas erinnert, das ich oft gesehen habe. Auch in meiner eigenen Vergangenheit.
Zum Beispiel, wie meine Großmutter immer zu meinem Großvater sagte:
„Dir muss man alles sagen, alles muss man dem Mann sagen. Der Mann kann das nicht von allein.“

Damals, mit 16, dachte ich mir nichts dabei.
Heute – mit dem Wissen über Beziehungsdynamiken, Trauma und alte Muster – sehe ich das anders.
Im Kern steckt da oft: Der Mann macht’s falsch, deswegen muss ich es ihm erklären.

Das Problem: Dieser Gedanke wird zum Verhaltensmuster.
Natürlich kann es sein, dass bestimmte Dinge erklärt werden müssen – aber oft steckt mehr dahinter:

Frust, Wut oder unterschwellige Aggression, die nicht direkt kommuniziert wird.
Dann wird das Ganze als „Ich zeig dir mal, wie es richtig geht“ verpackt – was im Endeffekt ein subtiler Angriff ist: „Du bist ein bisschen blöd, deshalb muss ich’s dir zeigen.“

Dahinter steckt meist nicht geäußerte Wut. Und die wird dann in Form von Nörgelei ausgedrückt.
By the way: Für Männer ist ständiges Nörgeln der absolute Abturner.

Wenn ein Mann sich das lange gefallen lässt, dann
– liebt er die Frau wirklich sehr, steht darüber, weil er in seiner vollen Kraft ist  und kann es abfangen und in die richtige Richtung lenken
– hat keine Alternativen,
– oder er hat die komplementäre Struktur: Er ist derjenige, der das erträgt, weil er es so gelernt hat.

Hinter all dem steckt oft das Gefühl, nicht offen wütend oder traurig sein zu dürfen – weil das in der Kindheit nicht erlaubt war.
Frauen durften keine Wut zeigen, Männer keine Traurigkeit.
Das wird unterdrückt – und sucht sich andere Wege.

Ich habe das bei meinen Großeltern gesehen, bei meinen Eltern – meine Mutter hat meinen Vater subtil zurechtgestutzt, meine Großmutter meinen Großvater oft sogar öffentlich bloßgestellt (was ein massives Red Flag ist).

Liebe Frau: Glaubst du ernsthaft, dein Mann ist zu blöd, Wäsche zu waschen?
Wahrscheinlich nicht. Er macht es einfach nur anders. Vielleicht nicht so ästhetisch, vielleicht ohne den extra Dufterfrischer, vielleicht nicht perfekt gefaltet – aber sauber wird sie.

Viele Männer sind funktional: Wäsche muss sauber sein und griffbereit liegen.
Ob sie perfekt gefaltet oder farblich sortiert ist, ist oft egal.
Männer machen es nicht falsch, sie machen es anders.

Das führt uns zum eigentlichen Kern:
In Beziehungen wiederholen wir oft unbewusst die Dynamik aus unserem Elternhaus.
Da gehört sie aber nicht hin – und muss dort auch nicht weitergeführt werden.
Wenn sie nicht in der Partnerschaft gelöst werden kann, dann in einem anderen sicheren Rahmen.

Weil: Dauerhaftes Nörgeln vergiftet jede Beziehung.
Wenn ein Mann ständig damit konfrontiert wird, schaltet er irgendwann auf Durchzug – oder geht. Innerlich oder später auch räumlich.

Die Lösung:
Sich die dahinterliegende Bindungsdynamik anschauen – die Muster, die man aus dem Elternhaus mitbekommen hat.
Dazu das gesellschaftliche Bild: Männer dürfen nicht traurig sein, Frauen nicht wütend.
Beides muss hinterfragt werden.

Noch mal klar gesagt:
Nörgeln ist oft nur der Ausdruck von nicht kommunizierter Wut oder Frustration.
Und solange wir nicht lernen, diese Gefühle klar und fair zu äußern, werden sie immer wieder destruktiv durchkommen.

Und wenn du als Frau bis hierher zugehört hast – ohne das Gerät aus dem Fenster zu werfen – lade ich dich ein, dich auch mit deiner Wut zu beschäftigen.
Sie ist willkommen, wenn sie gut kommuniziert wird.

Einen wunderschönen Abend – oder wann auch immer du das hier siehst oder dem lauschst.
Ich gehe jetzt schwimmen.