Aggression freilegen & Prokrastination beenden

Unpopulaere Methoden die aber funktionieren. 

 

 

Wie komme ich an meine Aggression ran – an die aggressive Energie?
Das war eine Frage, die aus der Community kam, und darauf möchte ich heute mal eingehen.

Das war eine Folgefrage zum Thema „Spiritualität ist eine Falle“. In dem Video ging es darum, dass Spiritualität oft nur ein Konzept ist, das gelernte Hilflosigkeit zementiert – und dass der Weg daraus in die Handlung führt: Dinge zu tun.

Und ja, ich möchte ergänzen: Es ist absolut wichtig, Dinge zu tun. Es ist absolut wichtig, in die Handlung zu gehen.
Gleichzeitig – also auf der Handlungsebene – ist es essenziell wichtig, dass auch die Energie dahinter stimmt. Denn oft ist es so: Wir tun etwas, und dann kommt trotzdem nicht das heraus, was wir eigentlich wollten.
Woran liegt das?
Daran, dass die Energie in eine andere Richtung fließt oder die Handlung mit einer anderen Emotion belegt ist, als wir es möchten.

Und genau dafür ist spirituelle Arbeit auch gut – um dort aufzuräumen.
Aber darum soll es heute nicht gehen.

Die Kernaussage war:
Moderne Spiritualität – also das, was da draußen auf dem Markt zu finden ist – ist eine Falle. Es geht oft nur ums Wohlfühlen, um „Licht und Liebe, Licht und Leichtigkeit, Regenbogen, furzende Einhörner“ – you name it.
Aber echte Spiritualität sieht anders aus.
Und die hat auch sehr viel mit Aggression zu tun.

Aggression kommt vom lateinischen aggrediauf etwas zugehen.
Das steckt schon im Wort selbst: Aggression heißt, ich gehe etwas an.
Wie kann ich diese Energie, diese Qualität wieder freilegen?


Zwei Dinge sind dafür wichtig zu verstehen:

Erstens:
Wenn wir auf diesem Planeten ankommen, bringen wir ein ganzes Paket an Charaktereigenschaften mit.
Der Schamanismus spricht von Seelenanteilen, die Psychologie von Persönlichkeitsanteilen.
Such dir das Wording aus, das für dich passt.

Wenn ich von Persönlichkeits- oder Seelenanteilen spreche, meine ich dasselbe: verschiedene Aspekte unserer Persönlichkeit.
Und manche davon sind eben willkommen, andere nicht.

Wenn ein Kind in einer Umgebung aufwächst, in der Aggression nicht erlaubt, nicht erwünscht oder sogar gefährlich ist, dann lernt es, diese zu unterdrücken.
Denn wichtiger als der Selbstausdruck ist für ein Kind die Verbindung zu den Bezugspersonen – meist den Eltern.

Überleben ist wichtiger als Ausdruck.
Bindung wird priorisiert. Und so wird die Aggression – unsere Lebenskraft, unser Selbstausdruck, unsere Autonomie – der Bindung geopfert.
Das ist eine Grundkonfiguration, die Aggression klein hält.

Zweitens:
Es gibt den Wunsch, das Umfeld nicht zu überfordern.
Auch das stammt oft aus einem frühen Muster: „Ich halte mich lieber klein, damit ich gemocht werde.“
Ein Kind lernt: Wenn ich mich zeige, werde ich abgelehnt – und das ist gefährlich.

Und dann passiert Folgendes:
Du willst etwas tun – Sport machen, Menschen ansprechen, eine Frau ansprechen, ein Projekt starten – aber tief in dir läuft ein Programm:
„Wenn ich mich zeige, dann droht Ablehnung. Und Ablehnung bedeutet Lebensgefahr.“

Für ein Kind stimmt das – für einen Erwachsenen nicht mehr.
Aber das Nervensystem unterscheidet das nicht.
Und weil wir in einer Gesellschaft leben, die über diese Themen kaum Bewusstsein hat, werden diese Programme einfach weitergegeben – an die nächste Generation.

Wenn Eltern das nicht in sich klären, geben sie ihre Muster unbewusst weiter – ob sie wollen oder nicht.


Und jetzt stell dir mal vor:

Da landet jemand auf der Erde, will sich entwickeln, will in seine Kraft kommen, will unabhängig werden.
Aber die Eltern signalisieren:
„Nein. Das geht nicht. Das ist nicht willkommen.“

Dann lernt der Organismus:
„Ich muss das unterdrücken – sonst verliere ich die Bindung.“
Und für ein kleines Kind ist Bindungsverlust gleichbedeutend mit Tod.

Das ist die eine Seite der Medaille.


Die andere Seite ist das gesellschaftliche Konzept:

„Männlichkeit ist böse.“
Männer sind zu laut, toxisch, an allem schuld. Frauen = Opfer. Männer = Täter.
Wenn du genau hinschaust, wirst du diese Narrative in vielen Medien, in der Popkultur, in öffentlichen Debatten wiederfinden.

Diese Täter-Opfer-Retter-Dynamiken sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert.
Und daraus entsteht ein subtiler Zeitgeist:
„Ein guter Mann ist ein Mann, der wie eine Frau ist.“

Du bist dann zwar keine gute Frau, aber immer noch besser als ein echter Mann.
Das ist überspitzt gesagt – aber es ist der Zeitgeist, der gerade herrscht.
Und der ist Teil des Problems.


Ich würde sogar sagen:
Das ist eine Folge eines überzeichneten Feminismus, in dem Männer zunehmend unter Generalverdacht gestellt werden.

Aber ich will jetzt nicht zu sehr ins Problem rein –
sondern in die Lösung.


Also: Wie kommst du da raus?

Was kannst du konkret tun?

Drei Dinge:


1. Triff eine Entscheidung.

Du kannst jetzt – in diesem Moment – die Entscheidung treffen, dich von diesen Konzepten zu lösen.
Von all den Dingen, die du gelernt hast über Männlichkeit, Aggression, Stärke.

Wenn du magst, sag es jetzt laut:

👉 „Ich löse mich von diesen Konzepten.“

Wenn du es gesagt hast: Super.
Wenn nicht: Du kannst jederzeit zu diesem Punkt zurückkehren.


2. Verstehe: Das sind Bindungsprogramme.

Diese Ängste, dich zu zeigen, dich durchzusetzen, deine Meinung zu sagen –
das sind alte Programme, die deinem Überleben gedient haben.

Sie stammen aus einer Zeit, in der du auf Menschen angewiesen warst, die dich vielleicht nicht vollständig annehmen konnten.
In einem Umfeld, das nicht bindungsfähig war.

Und das betrifft uns alle in gewissem Maß.
Denn unsere Gesellschaft trägt viel Trauma – und wenig Bewusstsein dafür.


Was kannst du tun?

➡️ Bindungsarbeit.
Das kann eine Männergruppe sein.
Das kann Floating sein.
Das kann eine Form der Projektions- oder Trauma-Arbeit sein.
Wichtig ist:
Du brauchst einen sicheren Rahmen, um neue Erfahrungen zu machen.


3. Erweitere deine Komfortzone.

Du kennst sicher dieses Modell mit den drei Zonen:
Komfortzone, Wachstumszone, Panikzone.

In der Komfortzone ist alles sicher. Du weißt, wie der Alltag läuft. Alles ist bekannt.
Aber: Da passiert kein Wachstum.

Wachstum findet statt, wenn du rausgehst.
Etwas Neues lernst. Dich einer Herausforderung stellst.

Das ist aggressive Energie – im besten Sinne.
Du gehst auf etwas zu. Du konfrontierst eine Aufgabe oder eine Angst.

Und das Wichtigste dabei:
Ängste sind Aufgaben.
In den allermeisten Fällen sind sie nicht real.


Angst ist nur dann real, wenn es eine akute, lebensgefährliche Situation gibt – und du keine Möglichkeit hast zu fliehen oder zu kämpfen.
Beispiel:
Du bist unter einem brennenden Auto eingeklemmt.
Oder ein bewaffneter Mensch steht vor dir.
Oder ein Tiger im Raum. Dann: Ja – Angst ist real.

Aber in 99 % der Fälle heute ist Angst ein Echo aus deinem Nervensystem.


Was kannst du tun?

Handle trotzdem.
Geh trotz der Angst los.
Tu es trotz des inneren Widerstands.

Denn dann lernt dein Nervensystem:
„Ich kann das.“
Und das ist der Moment, wo Angst sich in Kraft verwandelt.


➡️ Zusätzlich: Körperarbeit.
Wenn du Angst spürst – schüttle deinen Körper. Beweg dich.
Geh von A nach B. Komm wieder zurück. Und dann mach weiter.

Bewegung bringt eingefrorene Energie ins Fließen.


Und zum Schluss:

Der Baum der inneren Stärke wird durch das Wasser überwundener Ängste gegossen.

Wenn du das einmal verstanden hast,
wirst du nicht mehr vor deinen Monstern wegrennen.
Du wirst sie jagen.

Denn du weißt:
Jede überwundene Angst schenkt dir Kraft.